Sonntag, 22. Oktober 2017
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Im Test: Veeam Backup & Replication 6

File-Level-Recovery einer Linux-VM.

Gegenüber der monolithischen Vorgängerversion 5 setzt sich die Version 6 von Veeam Backup & Replication aus einer Reihe von Modulen zusammen: Repositories (Mediaserver) verwalten Zielverzeichnisse (wie lokale Laufwerke, Linux-Server oder SMB/CIFS-Freigaben) für Backup-Daten. Dazu gibt es Proxy-Module (Data Mover plus Deduplizierung), die für den Transfer der Backup-Daten von der Quelle zum Repository zuständig sind.

Mehrere Repositories und Proxies verteilen die Backup-Last in Umgebungen mit vielen VMs. Und nicht zu vergessen: Neben Backup-Jobs beherrscht die Software auch Replikationen. Zu den weiteren wichtigen Merkmalen von Veeam gehört auch die Restore- und Test-Funktion.

Bild 1. Der Enterprise Manager zeigt unter anderem die Auslastung der Veeam-Instanzen an.
Bild 2. Für das File-Level-Recovery einer Linux-VM setzt Veeam eine eigene Appliance-VM ein, welche auf dem Veeam-eigenen NFS-Server liegt.

Eigentlich kann jede zeitgemäße Backup-Software mit virtuellen Maschinen umgehen. Plug-Ins hierfür finden sich bei allen üblich Verdächtigen von Arcserve über Backup Exec bis hin zu Legato. Allerdings gliedert sich die Funktion in das normale Backup-Konzept der jeweiligen Anwendung ein, was den Rückweg über das normale Restore im Zweifelsfalle verkompliziert. Die Standard-Backup-Programme behandeln virtuelle Maschinen wie jede andere Datenquelle. Auf Besonderheiten, wie die VM-Konfiguration oder Änderungen daran, achten diese Tools nicht.

Das 2006 gegründete Unternehmen Veeam hat sich mit seiner Software „Veeam Backup & Replication“ auf das Backup virtueller Maschinen spezialisiert. Hierbei geht es nicht nur darum, VMs zu sichern, sondern diese Backups ganz oder zu Teilen zügig wieder herzustellen. Und genau in diesem Punkt wartet die Software mit einigen Besonderheiten auf.

Backup & Replication 6 im Überblick

Gegenüber der monolithischen Vorgängerversion 5 setzt sich die Version 6 aus einer Reihe von Modulen zusammen. Repositories (Mediaserver) verwalten Zielverzeichnisse für Backup-Daten. Das können lokale Laufwerke, Linux-Server oder SMB/CIFS-Freigaben sein. Dazu gibt es neuerdings Proxy-Module (Data Mover plus Deduplizierung), welche für den Transfer der Backup-Daten von der Quelle zum Repository zuständig sind. Mehrere Repositories und Proxies verteilen die Backup-Last in Umgebungen mit vielen VMs.

Neben Backup-Jobs beherrscht Veeam auch Replikationen. Hierbei repliziert die Software VMs von einem Hypervisor-Setup zu einer Disaster-Recovery-Site. Dank der neuen Proxy-Architektur legt Veeam hier spürbar an Performance zu, da die Replikation zwischen Proxies nur deduplizierte Daten übermittelt.

Zudem gibt es nun ein Bandbreitenmanagement: Administratoren wollen zu regulären Bürozeiten nicht die WAN/VPN-Verbindungen zu Zweigstellen mit Backup-Daten überfluten. Daher lässt sich ab Version 6 festlegen, welche maximale Bandbreite ein Replikationsvorgang in Abhängigkeit von Tag und Zeit belegen darf.

Zu den wesentlichen Merkmalen von Veeam gehören die Restore und Test-Funktionen. Im Betrieb mit VMware kann Veeam so genannte virtuelle Labs verwalten. Dort fährt die Software gesicherte Maschinen in einer isolierten Umgebung hoch und führt von Benutzer vorgegebene Tests aus. Somit lassen sich Restore-Tests automatisieren und regelmäßig durchführen.
Veeam verfügt zudem über ein Tool, um einzelne Dateien aus Sicherungen wiederherzustellen.

Mit Windows-VMs ist das auch bei anderen Programmen kein Problem. Bei Linux- oder BSD-VMs sieht die Sache komplizierter aus. Aufgrund der zu Windows inkompatiblen Dateisysteme fehlt vielen Backup-Programmen eine „Single File Restore Option“ für Nicht-Windows-Betriebssysteme. Veeam erstellt unter VMware eine virtuelle Linux-Appliance, welche auf den Backup-Satz der VM zugreift. Darüber kann dann auch ein regulärer Windows-Host einzelne Dateien zurücklesen. Verschlüsselte Informationen können über den vom Backup im Virtual Lab gestarteten Ursprungsserver wieder hergestellt werden.

Backup & Replication 6 in der Praxis

Die Software installiert der Administrator auf einem physischen oder virtuellen Windows-Rechner mit Server 2003 oder besser. Veeam erfordert mindestens ein GByte DRAM und zwei (V)CPUs. Die Installation richtet die Konsole sowie die Dienste Proxy und Repository ein. Es steht dem Anwender frei, alle Module oder nur einzelne zu nutzen. Die Veeam-Lizensierung hängt nicht vor der Zahl und Art der Software-Installationen ab. Veeam richtet sich lediglich nach der Zahl der CPU-Sockel in den angebundenen VMware- oder Hyper-V-Hosts. Der Verwalter kann die Software selbst so oft installieren, wie er möchte.

Jede Installation erstellt und konfiguriert ein lokales Repository und einen Proxy. Bei Bedarf kann der Administrator weitere Proxies und Repositories anlegen, oder Verbindungen zu den Diensten anderer Veeam-Maschinen herstellen. Nach der Konfiguration der Dienste stellt der Verwalter die Verbindung zu den Virtualisierungs-Hosts oder deren Verwaltungsinstanz her. Bei VMware kann die Software sowohl direkt mit einem ESXi-Host als auch mit dem zugehörigen Vcenter-Server kommunizieren. Bei Hyper-V spricht Veeam mit dem Hyper-V-Server/Cluster oder dem System Center Virtual Machine Manager.

Backup to Disk

Veeam-Backup-Jobs lesen über die Proxy Rollen die Daten aus, deduplizieren diese bevor Sie dann über das Netzwerk zum Schreiben an ein Ziel-Repository übertragen werden. Dabei gibt es keinen globalen Single-Instance-Store für die Deduplikation. Die Datenreduktion erfolgt innerhalb eines Backup-Jobs und den Proxies.

Im Klartext: Eine Sicherung von zehn Windows-VMs mit jeweils eigenen Backup-Jobs in verschiedene Zielverzeichnisse belegt deutlich mehr Backup-Speicher, als ein Job der alle zehn Maschinen enthält. Veeam erlaubt eine Always-Incremental-Policy, die bei Folgesicherungen nur noch Differenzdaten kopiert (Change Block Tracking), aber stets aus dem Basis-Backup und den Incrementals ein synthetisches Full-Backup erstellen kann. Das verkürzt die Backup-Zeit von Folgesicherungen und spart zudem Plattenplatz auf dem Zielmedium.

Als eines der vielen kleinen neuen Features informiert Veeam den Verwalter nun während des Backups, wo der Flaschenhals bei der aktuellen Sicherung liegt. Entsprechend dieser Informationen lässt sich die Umgebung optimieren.

Bild 3. Das Replikationsmodul spiegelt VMs auf entfernte Hosts
Bild 4. Binnen weniger Minuten legt Veeam eine startfähige Vmware-VM aus einem Restore-Point an.

Viele Restore-Pfade

Aus der Liste der inkrementellen Sicherungen kann der Verwalter jederzeit einen Restore-Point für die Wiederherstellung auswählen, und diesen Stand als komplette VM wiederherstellen. Via FLR (File Level Recovery) ist der Zugriff auf einzelne Dateien möglich. Bei Windows-Maschinen funktioniert das direkt, ansonsten erstellt Veeam eine FLR-Linux-Appliance. Richtig spannend wird es allerdings in einer VMware-Umgebung, denn hier gibt es eine Instant-Recovery-Option welche für Hyper-V noch fehlt.

Veeam startet in diesem Fall auf dem Backup-Server selbst einen NFS-Server, dessen Inhalt auf den zuvor gewählten Restore-Point verweist. Diese NFS-Freigabe legt Veeam beim gewählten ESX-Host als Datastore an und kann dann sofort die betroffen VM starten. Dazu werden keine Daten langwierig umkopiert. Die VM startet direkt aus ihrer Backup-Datei. Der Administrator kann die laufende Maschine einfach per Storage vMotion auf einen offiziellen SAN-Datenträger verschieben. Die Backup-Daten als Grundlage des NFS-Servers werden dabei nicht beschädigt.

Zudem kann der Verwalter ein virtual Lab konfigurieren. Darin startet Veeam vorgegeben Backups im Instant-Recovery-Mode, schirmt sie jedoch vom produktiven Netzwerk ab. Veeam oder benutzereigene Skripte prüfen dann, ob die Maschine wie erwartet reagiert. Bei einem Mail-Server könnte der Administrator beispielsweise den IP-Port 25 abfragen, um die Funktion des SMTP-Dienstes nachzuweisen.

Lokale und entfernte Spiegel

Zusätzlich zu Backups kann Veeam virtuelle Maschinen auch replizieren. Dabei erstellt die Software eine originalgetreue Kopie der jeweiligen VM auf einem anderen Host. In vorgegebenen Intervallen spiegelt Veeam, basierend auf VM-Snapshots, Änderungen des Originals zum Ziel. Konfigurationsregeln erlauben, dass die Zielmaschine mit geänderten LAN- und IP-Parametern entsteht.

Die Replikation sichert in der Praxis produktive VMs auf eine Disaster-Recovery-Site. Diese steht entweder in einem anderen „Brandabschnitt“ oder gleich einem entfernten Standort. Seit der Version 6 kann der Administrator in wenigen Schritten ein Regelwerk für das Traffic-Shaping erstellen, so dass die Replikation nicht die volle VPN/WAN-Bandbreite zu Tageszeiten einnimmt.
Anders als die Replikations-Tools anderer Anbieter braucht Veeam für die Replikation unter VMware keinen zweiten Vcenter-Server auf der Disaster-Recovery-Site. Ein simpler, lizensierter ESXi-Server genügt -- die freie ESXi-Version reicht allerdings nicht aus.

Sowohl Benutzer einer Veeam Standard als auch einer Enterprise-Lizenz erhalten zum regulären Backup- und Recovery-Server den Enterprise Manager kostenfrei dazu. Dieses Web-basierte Tool erlaubt die vereinfachte Verwaltung von Umgebungen mit mehreren Veeam-Instanzen. Zudem sammelt der Enterprise Manager Statistiken über Backup-Jobs, Sicherungsmengen und Durchsätze.

Als besonderes Feature kann der Enterprise-Manager wenn Enterprise Lizenzen vorliegen auch auf den FLR-Service zugreifen. Berechtige Andministratoren oder File-Restore-Operator (Userhelpdesk) können dann selbst mit wenigen Klicks auf einzelne Dateien der gesicherten VMs zugreifen.

Fazit

Veeam hat in der Version 6 einige sehr nützliche Neuerungen eingeführt, ohne dabei jedoch die bekannte Bedienung grundlegend umzukrempeln. Die Option, Hyper-V-Maschinen sichern zu können, wertet die Software auf. Dennoch profitieren VMware-Administratoren von den speziellen Restore-Funktionen, die es für Hyper-V noch nicht gibt.

Veeam unterstützt die Anwender bei sehr komplexen Installationen (mit mehreren verteilten Proxies und Pools)  mit einer automatischen Verteilung der gestarteten Backup-Jobs auf die installierten Proxyies. Lediglich das Ziel des Backups muss manuell gewählt werden.

Zudem werden viele Tape-Anwender vermissen, dass Veeam auch in der Version 6 selbst keine Backups auf Bänder schreiben kann. Abhilfe können Disk-basierte Wechselsysteme wie Tandbergs RDX schaffen. Des weiteren unterstützt Veeam explizit, dass andere Backup-Tools die Container-Dateien auf Bänder kopieren.

Ist bereits eine andere Software für herkömmliches Hardware-Backup auf Band im Einsatz kann dies auch von Vorteil sein, dass keine zusätzliche Bandhardware für Veeam beschafft werden muss. In der Praxis reicht oftmals sogar ein simpler Linux-CIFS/NFS-Server als To-Disk-Backup-Target, der dann mit Tar die Veeam-Backup-Dateien auf Band schreibt.

Max Lessel


Pro:

- Unkomplizierte Konfiguration & Simple Bedienung
- Sehr leistungsstarke Recovery-Features
- automatisierte Restore-Tests mit Lab
- neue, verteilte & modulare Architektur


 
Kontra:

- Nach wie vor kein direkter Tape-Support



Kontakt:

 

Veeam; Produktbezeichnung: Veeam Backup & Replication Version 6
www.veeam.com/de/vm-backup-recovery-replication-software.html

Preis:Ca. 500 Euro pro CPU-Socket, Standard Edition, 750 Euro pro Host-Socket, Enterprise Edition, Optional sind Bundles (ähnlich VMware Essentials) erhältlich    

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