Donnerstag, 24. August 2017
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Verwaltungsprobleme bei der Virtualisierung verhindern

Chris Paap, Technical Product Manager bei SolarWinds (Quelle: SolarWinds)

Als ich nach fast einem Jahr endlich eine Aufräumaktion in meiner Garage startete, stieß ich auf diverse Kisten mit Überbleibseln meiner IT-Vergangenheit. Zwischen Bildern und Plaketten fand ich einen alten Ordner, in dem ich für mein Team handgeschriebene Notizen aufbewahrt und Leitfaden erstellt hatte. Meist entsprang dieses hart erarbeitete Wissen langen Fehlerbehebungsmarathons in den frühen Morgenstunden. Der Gedanke hinter dem Ordner war, dass das Team auf diese Weise Informationen zu Problemen aktualisieren und nachverfolgen sowie Änderungen protokollieren konnte, um das gewonnene Wissen anschließend auf unsere Leistungsbeschreibungen und Teamprozesse anzuwenden.

Das Fundstück bescherte mir nicht nur einige lebhafte Erinnerungen an zugegebenermaßen ziemlich peinliche Erfahrungen, sondern auch die Erkenntnis, dass die in jenem Ordner beschriebenen Probleme auch heute noch zu den häufigsten Problemen in virtuellen Umgebungen gehören, die mir bei meiner Arbeit mit Virtualisierungsadministratoren im Rahmen meiner Tätigkeit bei SolarWinds begegnen. Daher hielt ich es für sinnvoll, auch hier einige dieser Probleme zu thematisieren.

Die nachfolgenden Punkte sollten die Systembetreuer bei virtualisierten Umgebungen immer im Hinterkopf behalten. So lassen sich Probleme bereits im Ansatz ersticken, Konfigurationen perfektionieren und die Stabilität verbessern.

Ressourcenauslastung

Egal ob man eine ältere virtuelle Umgebung oder eine Greenfield-Installation mit komplett neuer Hardware verwaltet, es scheint, als könnte es niemals genug virtuelle Ressourcen geben (RAM, CPU, Speicher und Netzwerk). Genauer gesagt: es gibt niemals genügend virtuelle Ressourcen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Hier zahlt es sich aus, die eigene Umgebung proaktiv richtig zu dimensionieren. Wichtig ist auch, verwaiste virtuelle Datenträger zu identifizieren, die Terabytes an Daten verschwenden, oder VMs, denen zu viel RAM oder mehrere virtuelle CPUs (vCPUs) zugewiesen wurden, obwohl eine vCPU ausreichen würde. Die Überzuweisung von vCPUs ist ein besonders häufiges Problem in Umgebungen, in denen eine Vorlage ohne Berücksichtigung der Ressourcenauslastung verwendet wurde, was dann zu Leistungseinbußen aufgrund von vCPU-Konflikten führen kann.

Kapazitätsplanung

Eine richtige Kapazitätsplanung kann bei der Identifizierung zukünftiger Workloads helfen und somit die Grundlage dafür bilden, die voraussichtliche Obergrenze der aktuellen Umgebung zu ermitteln. Außerdem kann man so festzustellen, welche zusätzliche Kapazität erforderlich ist, um zukünftigem Wachstum gerecht zu werden. Aus Sicht vieler IT-Profis kann der nächste Budgetzyklus für zusätzliche Ausstattung nie früh genug beginnen und egal wie gut man sich vorbereitet, es gibt immer wieder unerwartete Projekte oder Ressourcenanforderungen – zum Beispiel, wenn der Workload einer Anwendung plötzlich in die Höhe schnellt.

Wenn IT-Profis wissen, wann die Ressourcen zur Neige gehen (Ressourcenerschöpfung), kennen sie auch die Frist, innerhalb derer sie das Problem beheben oder über Neuanschaffungen nachdenken müssen.  Die Kapazitätsplanung mit simulierten Workloads kann mit einer Vielzahl an nützlichen Tools erreicht werden. Doch auch wenn man nicht über derartige Tools verfügt, macht es Sinn, mithilfe der genutzten Überwachungslösung und der Kenntnis der Umgebung Trends zur Ressourcenauslastung zu ermitteln, um die Ressourcenerschöpfung einzuschätzen.

Konfigurationsabweichungen

Je größer eine Umgebung wird, desto schwieriger wird es, nachzuvollziehen, welche Änderungen an der Konfiguration einzelner Hosts Konfigurationsabweichungen verursachen. Die entstandenen Konfigurationsdiskrepanzen werden möglicherweise nur bei kritischen Ereignissen ersichtlich, wenn ein Host eine Hochverfügbarkeitsaktion aufgrund nicht übereinstimmender Portgruppen nicht korrekt ausführt, weil zu viele Administratoren mitgemischt haben. Idealerweise sollten IT-Profis über eine Virtualisierungsüberwachungslösung verfügen, die bei Konfigurationsänderungen Warnungen ausgibt – ein wahres Wundermittel zur Verhinderung von Konfigurationsabweichungen, das außerdem zur Wahrung der Compliance der Hosts beiträgt. Doch es gibt auch noch einige andere Maßnahmen, die man ergreifen kann, um diese selbstverschuldeten Schwachstellen der IT zu vermeiden:

  • Erstens: Nutzen Sie geeignete Virtualisierungsadministratorfunktionen, um unbeabsichtigte Konfigurationsänderungen anderer Administratoren zu verhindern, indem Sie beschränken, welche Konten Zugriff auf administrative Aktivitäten höherer Ebene haben. IT-Experten sollten daran denken, dass die Nutzung von Administrationsmodellen nach dem Prinzip der geringsten Rechte fälschliche Änderungen verhindern kann.
  • Zweitens: IT-Experten sollten sich vor Augen halten, dass auch beim Aktualisieren von Treibern oder beim Austauschen von Hardware Konfigurationsvariablen gelöscht werden können, die für die bestmögliche Leistung eingestellt waren. Man sollte daher im Voraus planen und sicherstellen, dass man über Konfigurationssicherungen verfügt, falls versehentlich etwas gelöscht wird.

Überwachung

Die Überwachung sollte das Rückgrat einer jeden guten und nachhaltigen IT-Strategie sein. Die Überwachung der virtuellen Umgebung sollte darüber hinausgehen, einfach nur zu wissen, ob die VMs und Hosts betriebsbereit sind oder nicht. Egal ob man systemeigene Tools oder leistungsstärkere Überwachungsplattformen von Drittanbietern nutzt: Mithilfe einer guten Überwachung kann man nicht nur sicherstellen, dass die Umgebung mit optimaler Leistung betrieben wird, sondern auch ihre Skalierbarkeit gewährleisten, indem man alle wichtigen Messdaten erfasst, die man benötigt, um fundierte Entscheidungen zu treffen.

IT-Profis sollten beim Einrichten der Überwachungspraktiken auch daran denken, Warnungsschwellenwerte festzulegen, damit sie schon lange vor kritischen Situationen alarmiert werden und Maßnahmen zur Behebung potenzieller Probleme einleiten können, bevor unerwartete Ausfallzeiten auftreten. Auch die Berichterstellung sollte so eingestellt sein, dass man sich sowohl auf kritische, sofortige Anforderungen und Probleme konzentrieren  als auch langfristigere Berichte erstellen kann, um Trends in der Umgebung zu identifizieren.

Schulung von Administratoren

Es steht außer Frage, dass jede Umgebung nur so gut ist wie der Administrator, der sie verwaltet. Ein häufig zu beobachtendes Szenario ist das des Administrators wider Willen. Oft erstellt ein Administrator, der für zahlreiche unterschiedliche Aufgaben zuständig ist, zunächst eine kleine virtuelle Umgebung, deren Kapazität und Leistung noch keine entscheidende Rolle spielen. Im Laufe der Zeit steigt jedoch die Auslastung dieser virtuellen Umgebung, genau wie ihre Bedeutung und Sichtbarkeit innerhalb der Organisation. In solchen Fällen müssen Administratoren häufig vieles per „trial and error“ und im Schnellverfahren lernen.

Sehr viel besser ist es jedoch, wenn der Administrator vom Unternehmen die Unterstützung für die erforderlichen Tools und Schulungen erhält, um zu gewährleisten, dass die Umgebung heute und in Zukunft reibungslos funktioniert. Dies ist aber leider nicht für alle Administratoren möglich. Für die IT-Experten, die keine bezahlten Schulungen erhalten können, sind Blogs und IT-Communitys wie die THWACK-Community von SolarWinds eine gute Alternative. Dort stehen  einem Virtualisierungsexperten und andere Nutzer mit Rat und Tat zur Seite. Auch die von Hypervisor-Anbietern angebotenen Praxislabore können sehr hilfreich sein.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: IT-Profis sollten dafür sorgen, dass ihre virtuelle Umgebung niemals so wird wie meine Garage – viel zu lange vernachlässigt, sodass das Aufräumen viel mühsamer wird, als es eigentlich sein müsste. IT-Experten sollten ihre Ressourcenauslastung und Kapazitätsplanung verbessern und Konfigurationsabweichungen verhindern. Um das zu erreichen sollte man  eine gute Überwachung nutzen und sich regelmäßig weiterbilden: Diese Investitionen machen sich auf lange Sicht um ein Vielfaches bezahlt.

Chris Paap, Technical Product Manager bei SolarWinds

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