Sonntag, 22. Oktober 2017
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SDN: Benötigen Sie das wirklich?

Patrick Hubbard, HeadGeek bei SolarWinds (Quelle: SolarWinds)

Bis vor kurzem gehörte Software-Defined Networking (SDN) einerseits zu den aktuellen Modewörtern, sorgte aber andererseits auch für Unfrieden in der IT-Community. Aber selbst nachdem es nahezu Mainstream geworden ist, indem es in VMware vCenter als VMware NSX und anderen Plattformen als Funktion der Plattform-Middleware gebündelt wurde, sind sich viele IT-Spezialisten nach wie vor nicht darüber einig, wie SDN zu definieren und am besten anzugehen ist. Die eigentliche Frage ist jedoch: „Benötige ich SDN wirklich in meinem Unternehmen und muss ich mir darüber überhaupt Gedanken machen?“

Obwohl die Definition manchmal kontextabhängig ist, geht es bei Software-Defined Networking letztlich um den Einsatz von Softwareinfrastruktur, die auf den Netzwerkbetrieb angewendet wird – Netzwerkkonfiguration mit Softwaresteuerung. Zahlreiche Unternehmen, die die Vorteile dieser Möglichkeiten für sich nutzen möchten, verwenden ihre bereits vorhandene Software.

Die Idee von SDN bestand von Anfang an darin, eine Reihe von APIs und Diensten zu verwenden, die eine richtlinienbasierte Konfiguration ermöglichen und erweiterte Controller unterstützen. Mit genügend North- und South-bound APIs (APIs, die mit darüber bzw. darunter liegenden Komponenten kommunizieren) können Systeme so integriert werden, dass sie den Wechsel autonom verwalten können. Hier fangen die Schwierigkeiten der Definition von SDN an. Entwickler wissen sehr wahrscheinlich, was SDN ist, sind sich aber über die Implementierung uneinig, abhängig davon, wie sie dazu gelangt sind: über Cisco ACI oder VMware NSX. Für Administratoren mag SDN jedoch eher eine vollständig integrierte Paketlösung (oder Teil einer Paketlösung) darstellen, bei der es sich im Wesentlichen um eine Middleware-Schicht handelt.

Es gibt also immer noch eine gewisse SDN-Sorge, Unsicherheit und aufkommende Zweifel seitens Open-Source-Komitees, kommerziellen Controllern und Plattformanbietern, die auf Wettbewerber ausgerichtet sind. Das bereitet IT-Unternehmen, die SDN nutzen möchten, um ein innovativeres und effizienteres Unternehmen zu werden, Kopfschmerzen.

Herangehensweise an SDN

Eine der größten Hürden ist zweifelsohne, dass viele IT-Spezialisten einfach nicht wissen, wie sie an eine SDN-Bereitstellung herangehen sollen. SDN kann sehr mächtig sein, was natürlich bedeutet, dass es sehr kompliziert werden kann. Die Implementierung ist kein Kinderspiel. Im Falle von Paketanwendungen haben Sie mit der richtigen Ausrüstung und durch Einrichten anhand von Konfigurationsleitfäden eine Chance auf Erfolg. Wenn Sie jedoch eher ein auf Konfiguration fokussierter Unternehmenstechnologe sind und erwarten, dass SDN so einfach wie eine Konfigurationsübung funktioniert, werden Sie enttäuscht sein, da die Implementierung tatsächlich eher einer Entwicklungsübung entspricht. Die Komplexität von SDN stellt ein Problem dar.

Ein weiteres Hindernis stellt das Risiko dar: Sie können und sollten SDN Schritt für Schritt in einem Netzwerk implementieren, aber früher oder später werden Änderungen im Kernnetzwerk erforderlich sein und diese beginnen sich dann auf zentrale Dienste, Core-Switches, Core-Routing usw. auszuwirken. Wenn das passiert, dann sind Sie im Begriff, Ihr Unternehmen für die SDN-Technologie aufs Spiel zu setzen. In Unternehmen, in denen Reaktionsvermögen und Flexibilität eine Geschäftsanforderung darstellen und mögliche Ausfallzeiten in Kauf genommen werden, um eine verbesserte umfassende Effizienz der Betriebsabläufe zu erreichen, ist dieser Ansatz eine gute Strategie. Für risikoscheuere Unternehmen hingegen, bei denen Ausfallzeiten einem Desaster gleichkommen, ist SDN etwas beängstigend, da Änderungen vorgenommen werden, ohne dass diese von Menschen verwaltet werden.

Wie bei vielen neuen Technologien können auch die Kosten eine Rolle spielen. SDN kann teuer sein. Es geht nicht so sehr darum, einen speziellen Controller oder Software-Geräte anzupassen, sondern darum, dass für SDN-kompatible Hardware mindestens eine umfassende Analyse erforderlich ist, um notwendige Hardwareaktualisierungen zu ermitteln. In manchen Fällen werden diese Hardwareaktualisierungen von Anbietern erzwungen, um weitere Verkäufe zu unterstützen.

Die Möglichkeit, SDN zu testen, steht für kleinere Unternehmen zwar meist nicht zur Verfügung, aber im Falle einer Testmöglichkeit ist es sehr wichtig, ein Produkt in einer Testumgebung zu bewerten, die Ihrer Produktionsumgebung sehr nahe kommt. Achten Sie beim Testen auf zwei wesentliche Indikatoren, die in der IT immer eine Rolle spielen und hier besonders wichtig sind:

  • Kosteneffizienz: Wenn die Anzahl der Stunden für die Verwaltung der SDN-Umgebung geringer ausfallen als für die manuelle Verwaltung, deutet dies darauf hin, dass SDN für Ihr Unternehmen gut geeignet ist. Dies sollte sowohl die Zeit für die Einrichtung als auch die Zeit für die Automatisierung einschließen.
  • Servicequalität: Einer der Hauptgründe für die Implementierung von SDN liegt in der Eliminierung von menschlichem Versagen und in der Erstellung von reproduzierbareren Prozessen. SDN ist außerdem wesentlich leistungsstärker und kann Änderungen schneller ausführen als Menschen. Das bedeutet, Sie sollten die Netzwerkleistung überwachen und ein Auge darauf haben, worauf sich SDN auswirkt, und auch die Verfügbarkeit und Betriebszeit genauer überwachen. Wenn durch SDN verwaltete Systeme die Betriebszeit erhöht wird, deutet dies darauf hin, dass SDN für Ihr Unternehmen gut geeignet ist.

Ein zusätzlicher Indikator, der für SDN spricht, ist die Beschleunigung von Geschäftsprozessen während der Testphase. Wenn Sie beobachten, dass Geschäftsbereiche ihre Vorhaben schneller umsetzen können und die IT weniger hinderlich ist, wenn Sie sich auf SDN-Technologie verlassen, spricht auch diese Tatsache für eine vollständige Implementierung.

Portrait von SDN in heutigen Unternehmen

Wenn Sie schon nach SDN-Lösungen suchen, sind Sie wahrscheinlich bereits Teil eines progressiven, entwicklungsorientierten Unternehmens mit Ressourcen, die mit neuen Technologien experimentieren. Oder Sie sind Teil eines Unternehmens, das es als Hauptbestandteil des Geschäfts sieht, Netzwerke schnell anzupassen, wie beispielsweise Transportunternehmen oder Internetdienstanbieter (ISP). Transportunternehmen und ISPs betreiben SDN-Netzwerke bereits seit einem Jahrzehnt effektiv, obwohl durch proprietäre Technologie die virtuelle Routing-Struktur in diesen Netzwerken über Software konfiguriert wird, die physische Änderungen vornimmt. Viele Unternehmen, die Container oder eine flexible Bereitstellung nutzen, können auch in hohem Maß von SDN profitieren.

Selbst wenn keines der oben beschriebenen Modelle auf Sie zutrifft, haben einige Unternehmen SDN interessanterweise bereits, ohne es zu wissen, mit etwas anderem implementiert. Wenn Ihr Unternehmen VMware auf breiter Basis einsetzt, stand NSX wahrscheinlich bereits auf einer der Wartungsverlängungsrechnungen mit der Erwartung, etwas anderes zu erleichtern, wie beispielsweise die Beschleunigung von Netzwerkänderungen für VMware vRealize.

Wenn also keines der oben beschriebenen Szenarien auf Sie zutrifft, bedeutet das dann, dass SDN nicht für Ihr Unternehmen geeignet ist? Möglicherweise. SDN ist grundsätzlich nicht für Unternehmen geeignet, die zu klein sind, um Teams bereitstellen zu können, die sich mit SDN befassen und die Feinheiten und die Funktionsweise verstehen können. Wird SDN durch ein Consulting-Team implementiert und es wird erwartet, dass das Administrationsteam die Verwaltung und Problembehandlung übernimmt, obwohl keine SDN-relevanten Kenntnisse vorhanden sind, haben alle ein Problem. Anders ausgedrückt empfiehlt es sich, SDN nicht zu implementieren, wenn keine Ressourcen vorhanden sind, die sich damit beschäftigen können. Bewährte Praktiken für das Arbeiten mit SDN sind beispielsweise:

  • Sichern Sie Richtlinien regelmäßig: Heutzutage sichern wir Konfigurationen von physischen Netzwerkgeräten zum Zeitpunkt der Änderung. Für SDN gehen wir genauso vor, mit Ausnahme der Richtlinien. Stellen Sie sich vor, wie Sie eine Problembehandlung im virtuellen Bereich der SDN-Konfigurationen vornehmen und dabei über die gleichen Fähigkeiten verfügen, die Ihnen auch für die Problembehandlung bei standardmäßigen textbasierten Konfigurationen, Dokumenten und physischen Geräten zur Verfügung stehen.
  • Lassen Sie sich zertifizieren oder nehmen Sie an Funktionstrainings teil: SDN ist anders und wenn Sie nicht bereits Programmierer, Netzwerkexperte oder mit APIs vertraut sind, benötigen Sie eine Reihe von Schulungen. Viele Anbieter bieten diese kostenlos an.
  • Machen Sie Fehler und experimentieren Sie: Da es sich um eine neue Technologie handelt, werden Fehler auftreten, wenn Ihr Team und Ihr Unternehmen sich auf richtlinienbasierte Konfiguration und Verwaltung einstellt. Die Möglichkeit eines schnellen Scheiterns mit SDN ist sehr hoch, da der Controller zahlreiche Administrationsaufgaben übernimmt, für die vorher Sie selbst verantwortlich waren. Denken Sie über Richtlinien nach, die Massenänderungen über die gesamte Umgebung hinweg vornehmen und Kaskadenänderungen auslösen. Wenn es keine Experimente gibt, kann diese Technologie nicht entmystifiziert werden.
  • Setzen Sie Überwachung als Disziplin ein: Grundlegende Überwachungsprinzipien werden in den Test- und Implementierungsphasen der SDN-Einführung angewandt. Wie bereits weiter oben erwähnt, erfordert SDN-kompatible Hardware eine umfassende Analyse, um notwendige Hardwareaktualisierungen zu ermitteln. Dann können auch Kontroversen über die Kosten für SDN beigelegt werden, sobald die Datenüberwachung zeigt, ob Hardwareaktualisierungen erforderlich sind.

Keine Versteckmöglichkeiten

Vielleicht haben Sie bereits eine starke Abneigung gegen SDN und gute Gründe dafür, und es ist wahr, dass diese Technologie für einige Unternehmen nicht geeignet ist. Andererseits ist es auch wahr, dass große Unternehmen mit Ressourcen, die sich damit beschäftigen können, sicherlich Kostenersparnisse und eine höhere Servicequalität erreichen, und unter den richtigen Bedingungen SDN sogar als für Ihr Geschäft notwendig bezeichnen. SDN wird trotzdem zunehmend in Tools und Services integriert, die wir bereits nutzen. Gehen Sie davon aus, dass dies aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Containern, Virtualisierung und Cloud-Technologien und dem damit einhergehenden erforderlichen Einsatz von Netzwerksoftware ein noch umstritteneres Thema werden wird.

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