Sonntag, 22. April 2018
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Neueste Technologie für Administratoren

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Ausblick auf IT-Netzwerkstrategien

Patrick Hubbard, Solarwinds Quelle. Solarwinds

In den letzten eineinhalb Jahren war ein deutlicher Sprung bei der Änderungsgeschwindigkeit im Netzwerkbereich zu verzeichnen. Und schon heute zeichnet sich ab, dass wir künftig grundlegende Umwälzungen bei der Bewältigung des Datenverkehrs und der Bereitstellung von Diensten zu erwarten haben.

Patrick Hubbard, Head Geek bei Solarwinds, fasst in einem Blog-Beitrag für die Planer von IT-Netzwerkstrategien einige Entwicklungen zusammen.

 

Das neue Jahr ist nun schon bereits zur Hälfte vorüber. Die Ticket-Warteschlange unseres Helpdesks ist abgearbeitet, die lange aufgeschobenen Aufräumaktionen sind abgeschlossen und die guten und schlechten Trends der vergangenen 12 Monate sind schon fast im Rückspiegel verschwunden. Dennoch dürfen wir sie nicht gänzlich vergessen, denn teilweise haben sie signifikante Auswirkungen auf zukünftige Entwicklungen.

So gab es beispielsweise in den letzten eineinhalb Jahren einen deutlichen Sprung bei der Änderungsgeschwindigkeit und jetzt ist klar, dass wir künftig grundlegende Umwälzungen bei der Bewältigung des Datenverkehrs und der Bereitstellung von Diensten zu erwarten haben. Für die Planer von IT-Netzwerkstrategien gab es darüber hinaus einige positive aber auch negative Entwicklungen.

BYOD wurde in die Schranken verwiesen

Das Mitbringen eigener mobiler Geräte mit unbekannter Sicherheit ist tatsächlich zu einem allgegenwärtigen Phänomen und einem vermeintlichen Vorteil am Arbeitsplatz geworden, aber als Netzwerkadministratoren sind wir froh, dass wir sie in ihrem eigenen Netzwerk abschotten und mithilfe von ACLs (Access Control Lists) sicher aus unseren internen Netzwerken verbannen konnten. Denn BYOD (Bring you own Device) führt zu erhöhten Kosten für die drahtlose Infrastruktur, das IP-Adressenmanagement und andere Verwaltungsaufgaben. Allerdings sind wir uns mittlerweile wenigstens alle einig, dass es für das Geschäft eher schlecht ist, BYOD im Unternehmensnetzwerk zuzulassen.

Snowden und die NSA

Wir Admins sagen dem Management schon seit Jahren, dass wir nicht die Ressourcen, Mitarbeiter oder Mittel haben, um unsere Netzwerke richtig zu sichern. Dies gilt besonders für Firewalls und andere Elemente an der Grenze zur Außenwelt. Ein ganz wichtiges Thema haben wir dabei noch gar nicht angesprochen – die Speicherung unserer erfolgsentscheidenden und vertraulichen Geschäftsdaten in der Cloud, die im Rahmen der Snowden-Affäre besonders in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist.

Ganze Unternehmen entstehen, um neue Produkte für die Cloud-Sicherheit auf den Markt zu bringen, während Cloud-Anbieter den US-Kongress quasi vor die Wahl gestellt haben, entweder die Schnüffelei der NSA zu unterbinden oder die USA die Vorrangstellung im milliardenschweren Hosting-Geschäft verlieren zu lassen. Für die Netzwerktechniker ist die Tatsache, dass die Sicherheit plötzlich im allgemeinen Mittelpunkt des Interesses steht, eine hervorragende Gelegenheit. IT-Manager sind (auf Anweisung von oben) auf einmal bereit, Geld für Sicherheitshardware, -produkte und -dienste bereitzustellen.

40-Gigabit-Ethernet und 100 GbE

Die „Diensteverdichtung“ hat sich in den letzten 16 Monaten weiter beschleunigt, besonders bei der Kombination von Diensten, die viel Bandbreite benötigen. Immer größere Datenmengen werden zum Zweck der Speicherung übertragen und müssen sich mit geschäftskritischen, Jitter- und Drop-anfälligen Diensten wie HD Video und VoIP arrangieren. Trunking oder horizontale Verteilung können nur begrenzt helfen, aber zum Glück werden echte Lösungen – leistungsfähige Leitungen sowie Router und Switches, die sich nicht „verschlucken“ – endlich erschwinglich. 10-Gigabit-Ethernet (GbE) kann sich bald so ziemlich jedes Unternehmen leisten und die Preise für 40-Gigabit-Ethernet bewegen sich so weit nach unten, dass sie für KMU-Netzwerke zu einer echten Option werden.

SDN

In einigen großen Unternehmen wie Facebook und Amazon schlägt das Herz von SDN (Software-defined Networking) noch, aber im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Idee „Open SDN“ gestorben ist. Wir bekommen zwar immer noch Virtualisierung und Programmierbarkeit, aber die großen Anbieter haben den Hype beobachtet, festgestellt, dass etablierte Märkte bedroht sind, und erfolgreich proprietäre Lösungen als Konter entwickelt. Es gibt verschiedene Herstelleransätze, aber der Traum vom Mix-and-Match mit Bare-Metal-Switches ist geplatzt. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja im nächsten Jahr endlich so weit...

Netflix

Der große wirtschaftliche Erfolg macht diesen Trend zu einem absoluten Flop für Admins. Denn Netflix wurde 2013 zu einer Naturgewalt und bedroht Netzwerke mittlerweile wie nie zuvor. Außerdem hat Netflix den Einsatz von Videoportalen ganz allgemein beschleunigt, sodass sich Unternehmen widerwillig auf YouTube, Vemo oder sogar private Dienste, basierend auf Inhaltsübermittlungsnetzwerken wie zum Beispiel Brightcove, verlassen.

Es gab einmal eine Zeit, da haben sich Benutzer nicht über ruckelige 360 Pixel beschwert, aber mittlerweile sind HD-Streams die Norm. Die hohe Komprimierung von HD bedeutet, dass schon ein einzelnes verlorenes Paket spürbare Auswirkungen auf das Benutzererlebnis hat. Im Bestreben, zufriedene Benutzer zu haben, steigen die Kosten auf ganzer Linie – vom ISP über den Kern bis zur Distribution.

Windows 8.x

Windows XP weigert sich, würdevoll zu sterben. Eine wahre Plage, ohne die die Menschheit (oder zumindest die IT-Gemeinde) besser dastünde. Win 8 war die Chance, XP ein Ende zu bereiten, hat aber nur dazu geführt, dass viele Benutzer entschlossener denn je sind, bei dem zu bleiben, was sie kennen: XP oder Windows 7.

Netzwerktechnikern kann dies nicht gleichgültig sein, da Win 7 und höher (eigentlich sogar bereits ab Vista) in Sachen Netzwerksicherheit und Verwaltbarkeit erheblich besser abschneiden als XP. Allerdings hat das Auslaufen des XP-Supports dazu geführt, dass die unzähligen vorhandenen XP-Rechner zu einer globalen Kloake für Virenbefall, Botnets und ähnliche Malware geworden sind – einem endlos schwärenden Infektionsherd, der unsere geschützten Infrastrukturen bedroht.

Der Blick nach vorne

Eines ist sicher: Bisher hat sich das Jahr 2014 im Zeichen von Virtualisierung und Automatisierung präsentiert. Netzwerktechniker bekommen immer wieder großartige Chancen für Netzwerkstrategien – und in der Folge natürlich auch für ihre Karriere. Application-Centric Infrastructure von Cisco, auch als HDN bekannt, NSX von VMware und viele andere Technologien werden also künftig ganz bestimmt auf der nächsten Rückblicksliste stehen. Wir wissen nur noch nicht, ob als Top oder Flop. Doch eines ist sicher: Auch die zweite Jahreshälfte von 2014 verspricht, interessant zu werden.

Patrick Hubbard, "Head Geek" bei SolarWinds/Rainer Huttenloher

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