Sonntag, 23. September 2018
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IT-Automatisierung ist kein Hexenwerk

Leon Adato, Head Geek bei SolarWinds (Quelle: SolarWinds)

In der IT-Branche sind häufig IT-Experten anzutreffen, die die eigene IT-Architektur wie ein Kunstwerk anpreisen – eine einzigartige Errungenschaft, die ihres Gleichen sucht. IT-Abteilungen behaupten auch, dass die passende Überwachungslösung genauso einzigartig sein muss, wie es ihre IT-Umgebung ist. Oft ist die Rede von einem ausgeklügelten Gerüst aus speziell zusammengestellten APIs und kontextbezogenen Befehlssätzen, das eigens auf die jeweilige Architektur zugeschnitten ist und nur in dieser einzigartigen fragilen Konstellation Früchte trägt.

Allerdings ist vieles davon heiße Luft. Überwachung ist einfach. Das heißt nicht, dass sie mit wenig Aufwand verbunden ist: Ein gutes Überwachungssystem, mit dem sich aussagekräftige statistische Daten ohne Verzerrungen erfassen lassen, ist ein hartes Stück Arbeit.

Im Kern ist die Überwachung jedoch unkompliziert; dabei steht vor allem ein einfacher Aspekt der Überwachung im Fokus – obwohl dieser wohl für viele IT-Experten die Illusion von der künstlerischen Größe ihrer Zunft zerstören wird. Gemeint ist die Automatisierung, die vermutlich die Lösung für all diejenigen ist, die nichts mehr von dem Hexenwerk hören möchten.

IT-Experten stellen Sie sich möglicherweise die Frage, warum Automatisierungstechnologien eine so wichtige Rolle spielen, wenn doch das eigene Überwachungssystem vollkommen ausreicht. Die Antwort ist recht einfach: Automatisierung macht das Leben leichter.

Die meisten IT-Experten mit langjähriger Erfahrung würden ohne weiteres zugeben, dass die Bearbeitung von Tickets, Warnmeldungen und E-Mails mühsam und zeitaufwendig sein kann; kostbare Zeit, die sie in sinnvollere Dinge hätten investieren können. Nehmen wir an, ein IT-Mitarbeiter erhält eine Warnmeldung von einem Überwachungssystem. Was passiert im nächsten Schritt? Er löscht vielleicht eine Warteschlange oder startet einen Dienst neu.

Was zunächst als kleiner lästiger Zwischenfall beginnt, kann zu einem weitaus größeren und unangenehmeren Problem ausarten, sollten diese Warnmeldungen mehrfach im Laufe des Tages auftreten. Diese Gegenmaßnahmen könnten problemlos von Automatisierungstools übernommen werden, sodass niemand manuell eingreifen muss.

Wenn alles so einfach wäre, könnten IT-Fachkräfte getrost früh Feierabend machen, schließlich wissen sie die IT-Architektur des Unternehmens in guten, maschinengesteuerten Händen. IT-Experten wissen jedoch auch, dass neben diesen kleineren Episoden, die immer wieder auf die gleiche Art und Weise gelöst werden können, auch Situationen vorkommen, in denen ein Handgriff nicht reicht und mehr Einfallsreichtum gefragt ist.

Es ist daher wichtig, dass IT-Experten ein weiterentwickeltes Überwachungssystem einrichten, das eine Warnmeldung ausgibt und anschließend eine sofortige Gegenmaßnahme einleitet. Wenn das Problem nach einer Weile wieder auftritt, sollte eine zweite Maßnahme initiiert werden. Dieser Vorgang kann mehrere Male mit verschiedenen Maßnahmen wiederholt werden, damit die Problembehebung auch wirklich automatisch erfolgt und IT-Mitarbeiter nicht von ihrer weiteren Arbeit abgehalten werden.

Manchmal gibt es aber kein Patentrezept oder einen klar definierten Lösungsansatz für ein Problem. Wie lässt sich zum Beispiel ein Fehler automatisch beheben, wenn beispielsweise die letzten zehn Zeilen der Protokolldatei hinzugezogen werden müssen? Vielleicht mit einer Vorlage vergleichen und dann eine Testabfrage starten? Die Lösung ist durchaus simpel: IT-Experten sollten die erforderlichen Schritte ausführen, um den Fehler zu beheben, und eine Warnmeldung einfügen.

So erhalten die technischen Mitarbeiter anstelle von „das System ist außer Betrieb“ eine ausführlichere Zusammenfassung mit Informationen über den Zustand der Architektur – und zwar zum Zeitpunkt des Fehlers und nicht erst, wenn der IT-Mitarbeiter mal Zeit dafür findet. Auf diese Weise wird der Vorgang der Fehlerbehebung vereinfacht und optimiert und die IT-Mitarbeiter haben wieder Zeit für sinnvollere Aufgaben.

Der Vorteil dieser Herangehensweise ist, dass auch wenn diese Informationen für die Problemlösung in dem Moment nicht ganz relevant sind, so sind sie in den meisten Fällen doch hilfreich. Damit nehmen die Überwachungstools im Grunde die Rolle des Level-1-Diagnostikers ein. Einer, der niemals schläft und keine Pause macht – ein Traum für die meisten Unternehmen. Wie sollten IT-Experten also die Sache am besten angehen?

Angriffsplan

Die Vorstellung der Automatisierung mag im ersten Augenblick abschrecken. IT-Mitarbeiter können jedoch beruhigt sein, weil hier nicht alles auf eine Karte gesetzt wird. In den meisten Fällen sind viel Fingerspitzengefühl und Geduld gefragt, um die IT-Experten nicht gleich bei der ersten Konfrontation mit Automatisierungstechnologien zu vergraulen. Doch ganz gleich welche Taktik man hier wählt, ein Schreckensszenario, in dem sich das ganze System plötzlich verabschiedet, bleibt einem ganz sicher erspart. Wie bei jeder anderen IT-Umstellung kommt es auch hier auf die Planung an, um den Erfolg der Automatisierung in einem Unternehmen zu sichern. Hier einige Tipps für eine gelungene Vorbereitung:

  • Sich mit den Testrechnern vertraut machen: Am besten richten IT-Experten die Warnmeldungen so ein, dass sie nur für die Rechner angezeigt werden, die von Interesse sind. Andernfalls könnte man mit der Strategie „Quantität statt Qualität“ nur noch mehr Zeit verlieren, sodass sich die Vorteile der IT Automatisierung gar nicht bemerkbar machen.
  • Die Zurücksetzen-Funktion einsetzen: IT-Experten sollten wissen, wie das Überwachungssystem eine Warnmeldung zurücksetzt, um sie wieder auslösen zu können. Auf diese Funktion werden sie noch öfter zurückgreifen müssen. Sehr oft sogar.
  • Umkehrschwellenwerte nutzen: Durch die Hauptwarnmeldungen bleiben die Tabs geöffnet, ganz gleich ob die CPU-Auslastung bei > 90 Prozent liegt. Dennoch möchte man die Testrechner vermutlich nicht immer wieder dafür nutzen. Um das zu verhindern, können Sie das Größer-als-Zeichen umdrehen und die Einstellung in CPU < 90 Prozent ändern, sodass die Zuverlässigkeit der Meldungen möglichst steigt.
  • Protokolle verwenden: Eine detaillierte Protokollierung ist wichtig, um die Geschehnisse zu verstehen und sie zeitlich genau einzuordnen. Wenn das Überwachungssystem bereits über eine Protokollfunktion verfügt, sollten IT-Experten sie aktivieren und regelmäßig neue Meldungen hinzufügen, um die eigenen Schritte zu protokollieren. Es klingt vielleicht nach mehr Arbeit, aber man wird hinterher froh sein, sich die Mühe gemacht zu haben.
  • Lösung auf die Probe stellen: Zu der Umstellung auf die Automatisierung gehört es vor allem dazu, die Warnmeldungen zu testen. Dieser Schritt ist sogar so wichtig, dass man die Testwarnmeldungen auch möglichst nur an sich selbst senden sollte. Das mag zunächst masochistisch wirken, aber so kann man sich selbst am besten ein Bild von der Arbeitsweise der eigenen IT-Umgebung machen.

Mit diesen fünf Schritten können IT-Experten die Umstellung auf Automatisierungstechnologien angehen und gleich zu Beginn gute Automatisierungsresultate sicherstellen. Man sollte aber bedenken, dass die Arbeit damit nicht getan ist: Die eigene Weiterbildung und die Weiterentwicklung des Tools sollten nicht außer Acht gelassen werden, um sicherzustellen, dass man auch das gewünschte Ergebnis zum richtigen Zeitpunkt erhält. Automatisierung ist trotz all ihrer Vorteile keine Kunst. Sie soll einem nicht den Atem rauben, sondern das Leben leichter machen. Und dabei sollte eins klar sein: Bescheidenheit zahlt sich langfristig aus.

Leon Adato, Head Geek bei Solarwinds

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