Sonntag, 22. Oktober 2017
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IoT und Linux: Weshalb in der Ehe zwischen Linux und dem Internet der Dinge nicht alles glatt läuft

Mav Turner, HeadGeek bei SolarWinds (Quelle: SolarWinds)

25 Jahre sind eine lange Zeit, ganz besonders in der Welt der Technik. 1991 erblickte die weltweit erste Webseite das Licht der Welt und das Notebook wurde eingeführt. Im gleichen Jahr wurde Linux geboren, das weltweit bekannteste und am häufigsten genutzte Open-Source-Betriebssystem (OS), das auch weiterhin eine wichtige Rolle in der IT-Nutzung von Unternehmen und Verbrauchern spielt. Für kleinere Geräte wie IP-Kameras, Smartmeter, vernetzte Gebrauchsgegenstände, Sensoren oder Haussteuerungssysteme gilt dabei eine ähnliche „Lernkurve“ wie zu den IT-Anfangszeiten bei Desktops, Notebooks und Workstations. Mit dem Unterschied, dass die Entwicklungen aktuell deutlich rasanter voranschreiten.

Produktzyklen werden immer kürzer, neue Geräte werden immer schneller entwickelt, dabei bleibt oftmals die Sicherheit „auf der Strecke“. Denn in derart kurzen Entwicklungszeiten steht oftmals nicht genügend Zeit zur Verfügung, die Geräte auf alle erdenklichen Sicherheitsbelange hin zu testen. Doch wie man aus der Vergangenheit hätte lernen können:

Ein extrem wichtiger Faktor im IT-Bereich stellt seit je her die Systemsicherheit dar. Um diese zu gewährleisten, muss zum einen die „Basis“ stimmen, sprich das zu Grunde liegende Betriebssystem. Zum anderen müssen die Entwickler auf viele Details achten, etwa dass keine versteckten Administrator-Zugänge existieren, die nicht (oder kaum) abgesichert sind. Windows spielt bei den IoT-Systemen (trotz der aktuell verfügbaren IoT-Versionen von Windows 10) momentan eine untergeordnete Rolle, die meisten Systeme setzen auf die Open-Source-Lösung „Linux“. 

Inzwischen entwickelt sich das Internet der Dinge (IoT) zu einem immer zentraleren Bestandteil unseres Lebens, dominiert die Schlagzeilen und ändert die Art und Weise, wie wir in der modernen Welt mit Diensten interagieren. Linux spielte dabei eine wesentliche Rolle, diese Allgegenwart des Internets der Dinge zu ermöglichen. Auf Linux basierte Betriebssysteme machen es Entwicklern einfach, Anwendungen zu entwickeln, die überall ausgeführt werden können. Ob es um einen mit dem Internet verbundenen Kühlschrank geht oder um ein intelligentes Auto: Linux kann eingesetzt werden, um Innovationen im IoT-Bereich voranzutreiben, und wird hierzu auch bereits heute verwendet. Nicht weniger als 73 % der IoT-Entwickler nutzen Linux zum Ausführen von Anwendungen.

Doch in der Ehe zwischen Linux und dem Internet der Dinge läuft nicht immer alles glatt: Sicherheitsbedenken, die mittlerweile als größte Sorge in der IoT-Branche gelten, treten immer wieder auf. Die Endnutzer wünschen sich vernetzte Geräte und unvergleichlichen Komfort, doch dies führt auch zu einer größeren Zahl an möglichen Angriffspunkten und Sicherheitsbedenken für Unternehmen.

Besonders bei Linux, das gleichzeitig auf Desktops, Servern und Embedded Services ausgeführt wird, trifft dieses Risiko besonders zu. Diese drei unterschiedlichen Bereitstellungsmodelle bringen eine Vielzahl an verschiedenen Bedrohungen mit sich, sodass Linux mit mehr Sicherheitsproblemen konfrontiert ist als je zuvor.

Die Sicherheitsfunktionen von Linux können diese Bedrohungen nur schwer bewältigen – ein Glücksumstand für Cyberkriminelle, der IT-Managern jedoch größte Sorgen bereitet.

Unter Druck

Das Internet der Dinge bietet so viele attraktive Möglichkeiten, dass Unternehmen zunehmend unter Druck geraten, es auch aktiv einzusetzen. Das überlässt Entwicklern die wenig beneidenswerte Aufgabe, auf der IoT-Welle mitzuschwimmen und dabei ein Betriebssystem zu nutzen, das nur unzureichend dafür gerüstet ist, dem Sicherheitsdruck standzuhalten, der auf ihm lastet.

Doch woran liegt das eigentlich? Linux wurde ursprünglich als UNIX-artiges Betriebssystem entwickelt, das auf handelsüblicher Hardware läuft, während der Linux-Kernel die Offenheit für seine Benutzer repräsentiert. Diese Offenheit machte Linux wie geschaffen dafür, Innovationen voranzutreiben – und damit auch die Entwicklung des Internets der Dinge.

Der Trend hin zu kostengünstiger und handelsüblicher Hardware ermöglicht das fortlaufende Wachstum von IoT. Die Ironie bei der Sache ist, dass Linux für die Zunahme an IoT-Geräten mitverantwortlich ist – dieselben Geräte, die seine Sicherheit nun enorm unter Druck setzen.

Die Zeiten ändern sich

Die Sicherheitsprobleme, vor denen Linux steht sind zahlreich – zumal Linux mit dem Schwerpunkt auf Offenheit und nicht Sicherheit entwickelt wurde. Zu den Sicherheitsrisiken zählen beispielsweise auch die hohe Anzahl der Pakete, die mit Linux ausgeführt werden als auch das monolithische Kernel-Modell.

Die hohe Anzahl der derzeit verwendeten IoT-Geräte verschärft diese Probleme zusätzlich, während Linux-User mit den Herausforderungen bei der Verwaltung der Lebenszyklen der Masse an netzwerkverbundenen Geräten zu kämpfen haben.

Als Folge der schönen neuen Welt des Internets der Dinge ergab sich die Gelegenheit für ein sicherheitsorientierteres Betriebssystem für Embedded Systems. Doch trotz seiner Mängel ist Linux durch seine Offenheit und Flexibilität als IoT-Betriebssystem nahezu unersetzlich.

Es ist extrem unwahrscheinlich, dass wir jemals ein absolut sicheres Betriebssystem erleben werden, das wirklich für IoT funktioniert – und somit können wir davon ausgehen, dass Linux auch in Zukunft seinen Platz behaupten wird, auch wenn weitere Bedenken auftauchen und die Sicherheitsprobleme zunehmen. Wer weiß, vielleicht ergreift Microsoft ja diese Gelegenheit "beim Schopf" und Windows wird als OS für IoT-Systeme in Zukunft eine größere Rolle spielen? Eins ist sicher: Es bleibt weiter spannend!

Mav Turner, HeadGeek bei SolarWinds

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