Samstag, 25. März 2017
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Hybride IT und die Cloud: Bloß nicht das Netzwerk vergessen!

Patrick Hubbard, Head Geek bei SolarWinds (Quelle: Solarwinds)

Laut einer Umfrage unter IT-Experten haben 87 Prozent der Unternehmen bereits mindestens einen Teil ihrer Infrastruktur in die Cloud migriert. Kurz gesagt: Die hybride IT ist die neue Realität. Doch auch wenn „In die Cloud!“ fast als Mantra der heutigen Unternehmen erscheinen könnte, sind  Netzwerkadministratoren häufig skeptisch angesichts der Komplexität, die hybride IT-Strategien mit sich bringen.

Zunächst: Die Komplexität der hybriden IT ist nicht proportional. Netzwerkadministratoren müssen für die Migration in die Cloud eine völlig neue Disziplin der IT-Technologie beherrschen und implementieren, um ihre Umgebung zu verwalten und zu überwachen – unabhängig davon, ob sie ein Gerät oder tausend Geräte migrieren sollen.

 

Angenommen die Plattform, mit der ein Unternehmen sein Vertriebsteam unterstützt und die vollständig unternehmensintern betrieben wird, fällt auf einmal aus. Zwar sind Failover und Redundanz dieser Plattform möglicherweise nicht mit einer Cloud-Anwendung vergleichbar, doch dafür hat man die Möglichkeit, alle zur Plattform gehörigen Elemente zu verwalten und zu untersuchen, was die Fehlerdiagnose und -behebung direkter und einfacher macht.

Wenn hingegen in der Cloud ein kritischer Ausfall auftritt – beispielsweise durchtrennt ein Bagger die WAN-Verbindungsleitung von einem Gebäude zu den in der Cloud gehosteten Anwendungen – dann ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Geschäftstätigkeit zum Erliegen kommt, bis das Problem behoben wurde. Die Netzwerkbandbreite, die für eine angemessene Verbindung der Komponenten hybrider IT-Umgebungen benötigt wird, kann Sicherungskreisläufe überlasten und macht im Falle eines schwerwiegenden Ausfalls den Austausch oder die Lösung nicht einfach.

Typische Standby-Verbindungen, die ein Failover mit reduzierter Kapazität ermöglichen, sind in Zeiten der hybriden IT nicht ausreichend: Die Backup-Systeme müssen nahezu die gleiche Kapazität und Bandbreite bieten wie die primären Verbindungen. Um sicherzustellen, dass ein Unternehmen auf einen Ausfall vorbereitet ist, muss die Netzwerküberwachung noch stärker als zuvor als erfolgsentscheidende Aktivität betrachtet werden.

Weniger Überwachungsoptionen

Das ist allerdings einfacher gesagt als getan. Zu den theoretischen Vorteilen der Migration in die Cloud gehört es, dass die Last der Verwaltung von den IT-Administratoren abfällt und diese nicht mehr so viele Details im Blick behalten müssen. Der Nachteil dabei ist, dass es deutlich schwieriger wird, einzelne Infrastrukturkomponenten zu überwachen und ihre Leistung sicherzustellen, wenn sie in die Cloud übertragen wurden. Das liegt daran, dass diese Art von Leistungsdaten nur über die vom Cloud-Anbieter bereitgestellten Verwaltungs-APIs empfangen und überprüft werden können.

Leider bieten die Verwaltungsschnittstellen der meisten Anbieter nicht einmal ansatzweise die gleiche Fülle an Netzwerküberwachungsoptionen wie herkömmliche SNMP-Lösungen. Diese Diskrepanz zwischen den Überwachungsmöglichkeiten hängt vor allem mit dem Grad der Ausgereiftheit der Technologien zusammen: Die herkömmliche Netzwerküberwachung für lokale Rechenzentren wird seit 30 Jahren weiterentwickelt und verbessert, während beispielsweise AWS erst seit wenigen Jahren im Geschäft ist und schlicht noch nicht genug Zeit für die Optimierung der eigenen Überwachungstools hatte.

Die Kosten von Änderungen sind in der Cloud jedoch deutlich geringer als lokal, was zu Änderungen und Neukonfigurationen ermutigt. Die herkömmliche Vorgehensweise, wohlüberlegt IP-Adressbereiche zuzuweisen, die zugehörige Netzwerktopologie zu betrachten und auf der Port- oder IP-Ebene zu planen, ist in der Cloud nicht anwendbar. Demzufolge muss die Zukunft der Netzwerküberwachung deutlich visueller werden und erfordert eine interaktive Fehlerbehebung, um bekannte Zustände von Topologie, Datenverkehrsflüssen und Querverbindungen zu verschiedenen Zeitpunkten zu vergleichen und somit herauszufinden, was in der Vergangenheit geschah und welche Probleme in Zukunft auftreten könnten.

Neues Konzept für die Netzwerküberwachung

All diese Faktoren zwingen die IT-Branche, das Konzept der Netzwerküberwachungslösungen neu zu überdenken. Einfach weiterzumachen wie bisher ist nicht genug: IT-Experten benötigen entscheidende Produktinnovationen, um die Herausforderung der hybriden IT zu meistern und Netzwerkadministratoren eine sinnvolle Lösung zu bieten, um gegen die mangelnde Transparenz der hybriden IT vorzugehen.

Gleichzeitig gibt es einige nur für die hybride IT und die Cloud bestimmte Produkte, die sehr wenig dazu beizutragen, die Leistung der älteren Bestandteile des hybriden Netzwerks sicherzustellen – obwohl Komponenten dazuzuzählen, die auch in Zukunft erhalten bleiben (man denke nur an Campus-LAN, Telepräsenzsysteme oder VOIP). Netzwerküberwachungslösungen, die speziell für die Anforderungen des hybriden IT-Zeitalters entwickelt wurden, bieten eine umfangreiche und vollständige Überwachung für lokale Ressourcen sowie einen konvergenten Überblick über Cloud-Ressourcen. Neben der Nutzung eines zentralen Netzwerküberwachungstools sind auch folgende Best Practices zu empfehlen, mit denen IT-Experten hybride IT-Umgebungen besser – und zuversichtlicher – verwalten können:

  • Programmieren lernen. Die Zukunft der Technik wird von Software angetrieben. IT-Administratoren sollten aufhören, sich gedanklich an der Konfiguration zu orientieren, die fälschlicherweise eine gewisse Kontrolle über die von ihnen verwalteten Geräte impliziert. Stattdessen sollten Admins eher wie Entwickler denken. Zukünftig werden Netzwerkadministratoren bei der Verwaltung Richtlinien einsetzen, die deutlich dynamischer und autonomer sind. In Zeiten der hybriden IT kann man als Netzwerkadministrator nicht erfolgreich sein, ohne zunächst wenigstens ansatzweise damit vertraut zu sein, logische Operationen in autonomen Code umzuwandeln.
  • Altsysteme sind immer noch wichtig. Man darf nicht davon ausgehen, dass die Cloud alle Probleme lösen wird. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass einige der Systeme nie in die Cloud migriert werden, sei es aus finanziellen oder aus technischen Gründen. IT-Administratoren  müssen darauf vorbereitet sein, gemeinsam mit dem Management einen Plan zu besprechen, der darlegt, wie ältere Geräte weiterhin unterstützt werden können – heute und in der Zukunft.
  • Redundanz, Redundanz, Redundanz. Ein weiterer Fehler, den man vermeiden sollte, besteht in der Annahme, die Zuverlässigkeit der Cloud sei höher als die einer lokalen Umgebung. Die Cloud bietet zahlreiche Vorteile und Möglichkeiten, doch auch dort kann eine Festplatte ausfallen. Was dann? Man benötigt eine redundante Backup-Lösung mit einer zuvor ungeahnten Skalierbarkeit und Kapazität, um auch nur die von den Internet- und Netzwerkverbindungen einer hybriden Umgebung erforderte Bandbreite bereitstellen zu können. Backup-Systeme müssen in der Lage sein, den Großteil des Betriebs aufrechtzuerhalten, ein Failover mit reduzierter Kapazität genügt nicht.
  • Sicherheit spielt eine Rolle. Auch wenn wir nicht behaupten können, die lokale Netzwerksicherheit wäre perfekt, so ist sie doch immerhin prozessbasiert und gut auf mögliche Sicherheitslücken oder Angriffe überwacht. Bei der Migration in die Cloud darf nicht vergessen werden, dass die hybride IT auch neue Sicherheitsschwachstellen mit sich bringt. Es ist wichtig nachzuvollziehen, was im Hinblick auf Sicherheit und Compliance von jeder Cloud-Anbieter-Plattform abgedeckt wird. Wenn man genau weiß, wie ein Anbieter seine Daten sichert, kann man dafür sorgen, dass die Sicherheitsmaßnahmen für die lokalen und in der Cloud gespeicherten Daten Hand in Hand gehen und ein solides Gesamtkonzept bilden. So etwas wie „zu sicher“ gibt es nicht.
  • Keine Angst vor neuen Wegen. Die hybride IT eröffnet vielen Administratoren, die nach etwas Neuem suchen neue Karrieremöglichkeiten. Netzwerkadministratoren sollten nicht zu sehr in ihren eigenen Methoden gefangen oder zu selbstzufrieden ein, um eine neue Technologie zu erlernen. Letzten Endes geht es darum, möglichst vielseitige Kompetenzen zu erwerben. So vermeiden IT-Administratoren können sich optimal darauf vorbereiten, die Netzwerke der Zukunft zu verwalten – jeden Knoten, jeden Pfad und jedes Netzwerk.

Patrick Hubbard, Head Geek bei SolarWinds

 

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