Sonntag, 25. Februar 2018
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Hybride Infrastruktur: Anwendungen auf Kollisionskurs?

Gerardo Dada (Quelle: Solarwinds)

Es scheint, als würde sich heutzutage beinahe jedes Unternehmen am Hype um die Cloud beteiligen. Einige Organisationen erhoffen sich Vorteile durch die Kosteneinsparungen, die Cloud Computing ermöglichen kann, während andere ihre generelle Flexibilität erhöhen möchten.

In jedem Fall bringt diese „Cloud-first“-Mentalität für die IT-Experten von heute häufig die Aufgabe mit sich, Anwendungen in einer Umgebung zu verwalten, die reich an Herausforderungen ist: das hybride Datencenter.

Auch wenn Branchenexperten erwarten, dass cloudbasierte Workloads innerhalb der nächsten Jahre um 44 Prozent jährlich zunehmen werden, sieht die Realität so aus, dass ein großer Teil der täglichen Operationen vieler Unternehmen trotz des rasch zunehmenden Cloud-Einsatzes noch für viele Jahre an physische Infrastrukturen und deren Prozesse gebunden sein werden.

 

Die Cloud ist für alle da, doch sie ist nicht für alles geeignet. Anstatt Ressourcen aufzuwenden, um Anwendungen für die Bereitstellung in der Cloud umzugestalten, werden voraussichtlich viele IT-Teams Anwendungen, die ursprünglich für herkömmliche lokale Infrastrukturen entwickelt wurden, unverändert in die Cloud übernehmen. Dies erzeugt eine ganze Reihe neuer, unbekannter Herausforderungen und möglicherweise verwirrende Verwaltungsszenarien.

Gleichzeitig stimmt es zwar, dass das Cloud Computing bedeutende Kosteneinsparungen, erhöhte Agilität und Flexibilität bietet und eine besonders gute Testumgebung für Anwendungen darstellt, doch einige der Einschränkungen können einem lokalen IT-Team beim Umstieg auf die Cloud größere Schwierigkeiten bereiten.

So sind beispielsweise die meisten Cloud-Umgebungen für die Verwendung mit kostengünstiger Standardhardware eingerichtet und eher auf Agilität denn auf Betriebszeit optimiert. Die meisten Cloud-Dienstanbieter legen die Verantwortung für die Betriebszeit in die Hände der Kunden: Sie verfolgen eine Philosophie der „Entwicklung für den Fehlerfall“ und empfehlen redundante, bereichsübergreifende, selbstregenerierende Bereitstellungen.

Ohne ausreichende Recherche könnte ein Administrator nichtsahnend einen geschäftskritischen Workload in eine Cloud-Umgebung verschieben, die nicht für die erforderliche Betriebszeit oder Sicherheitsstufe ausgelegt ist, was zu unzähligen Leistungsproblemen und Problemen mit der Datencompliance führen kann.

Auch die Tatsache, dass jeder Administrator problemlos über eine eigene oder unternehmenseigene Kreditkarte eine neue Cloud-Umgebung bereitstellen kann, ist ein zweischneidiges Schwert. Zwar können auch Testumgebungen für interne Entwickler im Handumdrehen erstellt werden, doch diese Möglichkeit führt auch zu ernsthaften Problemen für die Sicherheit und Unternehmensleitung. Falls ein Administrator, der eine bestimmte Umgebung verwaltet, plötzlich das Unternehmen verlässt, nimmt er die Schlüssel zu diesen Daten mit sich.

Sofern es sich nicht um eine brandneue Anwendung handelt, die von vornherein für die Verwendung in der Cloud entwickelt wurde, stehen Administratoren letztendlich oft vor der Aufgabe, eine Anwendung in der Cloud zu betreiben, die für den Betrieb in einer herkömmlichen Umgebung entwickelt wurde und weitgehend über die Eigenschaften einer Anwendung für den lokalen Betrieb verfügt.

Noch wichtiger ist, dass die Hybrid Cloud voraussichtlich über mehrere Jahre hinweg bestehen wird und somit absehbar ist, dass viele Anwendungen und Anwendungskomponenten erst im Laufe der Zeit in die Cloud migriert werden. Die zentrale Frage lautet also: „Wie kann ich diese Anwendungen mit denselben Tools und Methoden verwalten, die ich auch für lokale Anwendungen nutze?“

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es einige Best Practices für die gleichzeitige Verwaltung von lokalen und cloudbasierten Anwendungen – und ja, diese erfordern ein gutes Maß an „Cloud-Denken“.

Anwendungs- und Endbenutzerfokus

Selbst in hybriden Umgebungen und bei Anwendungen, die noch lokal betrieben werden, besteht der fortwährende Trend, den Fokus mehr auf Endbenutzer und Anwendungen zu legen als auf Infrastrukturkomponenten und Abteilungssilos. Der Zweck der Infrastruktur besteht lediglich darin, den Betrieb der Anwendung zu ermöglichen. Cloud-Infrastrukturen sind kurzlebig und dynamisch.

Um die Resilienz und Flexibilität zu erlangen, die die Cloud mit sich bringt, sollten Administratoren bedenken, dass Server in der Cloud ersetzbar sind: Sobald ein Server ausfällt oder nicht mehr genug Leistung bringt, wird es Zeit, ihn zu entsorgen und durch einen neuen Server zu ersetzen. Die IT sollte auch nach Möglichkeiten zur Implementierung kürzerer, sich wiederholender Prozesse suchen, damit Teams schneller voranschreiten, Innovationen schaffen und effektiver für das Unternehmen tätig sein können. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch die Automatisierung von Code, Bereitstellungen, Tests, Überwachung und Warnungen einen großen Schritt in Richtung einer besseren Dienstleistung für den Endbenutzer bedeutet.

Zusammenarbeit

Egal, ob eine Anwendung lokal oder in der Cloud verwaltet wird – das Ziel besteht letztendlich darin, dem Endnutzer die bestmögliche Anwendungsleistung zu bieten, und das ist mit Silos nicht möglich. Heutzutage sollte in der IT die Denkweise vorherrschen, dass im Fall des Ausfalls einer Anwendung jeder verantwortlich ist. Es gibt kein Datenbankteam, Virtualisierungsteam oder Speicherteam. Es gibt nur das IT-Team, das für die Leistung von Anwendungen verantwortlich ist und das erfordert Transparenz, Sichtbarkeit, ein einheitliches Toolset und eine gute Zusammenarbeit.

Die Chance besteht darin, das gesamte IT-Team hinter denselben Zielen und Messgrößen zu vereinen: das Maximieren der Anwendungsbetriebszeit und das Verbessern der Endbenutzererfahrung. Ein gemeinsames Ziel stärkt die Zusammenarbeit und erhöht mit großer Wahrscheinlichkeit den produzierten Geschäftswert.

Forschung

Die Forschung ist zwar nicht unbedingt ein Grundprinzip des „Cloud-Denkens“, doch sie sollte bei der Beurteilung eines Cloud-Anbieters von keinem IT-Team außer Acht gelassen werden. Administratoren, die hybride Umgebungen verwalten, müssen bei der Beurteilung der Prozesse, Vereinbarungen zum Servicelevel (SLAs), empfohlenen Architekturen und verfügbaren Funktionen eines Cloud-Anbieters die nötige Sorgfalt walten lassen: Wird die benötigte Sicherheitsstufe geboten? Ist der angegebene Prozentsatz der Betriebszeit realistisch und zuverlässig? Wie belastbar ist die Umgebung? Dies sollte auch die Implementierung von Regeln und Vorschriften für die IT-Branche und das Unternehmen umfassen, um Probleme mit der Datencompliance zu vermeiden.

Diese vorausdenkenden SLA-Fragen und Regulierungsprozesse helfen dabei, den Umstieg auf ein hybrides Datencenter reibungsloser zu gestalten und wirken sich letztendlich darauf aus, wie erfolgreich ein Administrator Anwendungen in der Cloud verwalten kann.

Überwachung des gesamten Anwendungsstapels

Der Übergang zu Workloads in der Cloud geschieht nicht an einem Tag, auch wenn es nur wenige Workloads betrifft. In einigen Fällen kann die IT einfach Teile einer Anwendung in die Cloud migrieren. Ein erfolgreicher Umstieg erfordert jedoch ein zuverlässiges Überwachungssystem für den gesamten Anwendungsstapel. Um eine optimale Leistung zu gewährleisten, sollte alles getestet werden und die Auswirkungen jeder Änderung sollten genau bekannt sein. Die Cloud ermöglicht mehr Flexibilität, mehr Kontrolle und sofortige Änderungen – Faktoren, die sich in Ihrer monatlichen Rechnung niederschlagen. Dies schafft Verantwortung und die Möglichkeit, alles zu optimieren. Um eine hohe Geschwindigkeit, eine gute Zusammenarbeit und die Zufriedenheit der Endbenutzer zu gewährleisten, ist es bei der Verwaltung einer hybriden Umgebung unabdingbar, ein leistungsstarkes Tool zu verwenden, das einen transparenten Überblick über den Anwendungsstapel bietet und dabei nicht nur Informationen zur Integrität der physischen Infrastruktur und der Cloud-Umgebung liefert, sondern auch zur Leistung jeder einzelnen Anwendung.

Auch wenn diese Best Practices aus der Cloud stammen, können sie auch für die herkömmliche lokale IT sehr hilfreich sein. Selbst dann, wenn Anwendungen unverändert in die Cloud übertragen werden, besteht das Ziel des Verschiebens einzelner Workloads in die Cloud darin, dass IT-Abteilungen zunehmend cloudbasierte Prinzipien und neu verfügbare Dienste nutzen und somit von den Vorteilen profitieren können, die die „cloud-native“-Unternehmen von heute bereits genießen. Mit diesen „Best Practices“ im Hinterkopf gelingt es Administratoren, die Grenze zwischen der Verwaltung lokaler und cloudbasierter Anwendungen verschwimmen zu lassen und letztlich ein schnelleres und agileres Unternehmen zu schaffen.

Gerardo Dada, SolarWinds

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