Sonntag, 28. August 2016
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Der ewige Kampf: IT-Einfachheit gegen IT-Leistungsfähigkeit

Kong Yang, Head Geek (Quelle: Solarwinds)

Einfache IT-Systeme ohne Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit wünschen sich Systembetreuer und Benutzer gleichermaßen. Lassen Sie uns deshalb einen Blick auf drei Technologiebereiche – hyperkonvergente Systeme, Cloud- und IT-Management – werfen, um der Lösung näher zu kommen. Für den Anfang können wir die extremen Ansätze ausschließen – sehr simpel, aber ohne wirkliche Funktionalität, oder äußerst leistungsfähig, aber unmöglich zu implementieren und zu nutzen. Welche Bereiche stellen sich als besonders vielversprechend heraus? Daher soll nun ein für alle Mal geklärt werden, welcher Ansatz – Einfachheit oder Leistungsfähigkeit – der bessere ist.

 

Bei den meisten IT-Lösungen verhält es sich ähnlich wie bei der Heisenbergschen Unschärferelation: Es müssen immer Kompromisse zwischen der Leistungsfähigkeit und der Einfachheit (oder Benutzerfreundlichkeit) des Systems gemacht werden. Der eine Faktor kann oft nur auf Kosten des anderen Faktors erhöht werden. Als Faustregel gilt hierbei: Je mehr das System kann, desto schwieriger ist es, es für eine hohe Benutzerfreundlichkeit zu sorgen. Im IT-Bereich ist es im Gegensatz zur Quantenmechanik allerdings durchaus denkbar, die beiden gewünschten Eigenschaften in Einklang zu bringen.

Hyperkonvergente Infrastruktur

Es gibt zwei Hauptrichtungen von hyperkonvergenter Infrastruktur – den vorgefertigten, vorkonfigurierten Appliance-Typ (z. B. Nutanix, Simplivity, oder Scale-Computing) und den standardisierten Architekturansatz (beispielsweise EVO:Rail). Beide sind dazu bestimmt, eine Computing-Infrastruktur, einschließlich Virtualisierung sowie Server- und Speicherelementen, sehr schnell und problemlos zu entwerfen. Wenn Sie dann eine weitere Einheit hinzufügen möchten, reicht oft ein einfacher Tastendruck oder etwas Vergleichbares.

Wir haben hier also ein klassisches Beispiel für Leistungsfähigkeit gegenüber Einfachheit – die hyperkonvergenten Systeme können auf jeden Fall die Installation, Konfiguration und den Betrieb der Umgebung vereinfachen, aber dies geht in vielen Fällen mit Kompromissen einher:

  • Lassen sich doch diese Systeme nur schwer an unterschiedliche Auslastungen anpassen.
  • Zudem ist man meist auf einen einzigen (Hardware-) Anbieter angewiesen, falls etwa die Speicherkapazität oder andere Ressourcen des Systems erweitert werden sollen.
  • Die Integration in eine bestehende Umgebung (mit anderen Anbietern) kann nicht immer garantiert werden.

Allerdings sind die aufgezählten Einschränkungen für viele Unternehmen nicht so wichtig. Meist erachtet die Verwaltung einer IT-Umgebung die Lösung aller Probleme durch eine Technologie als schwierig und teuer. Daher sind die Unternehmen meistens bereit, entweder bei der Benutzerfreundlichkeit oder Leistungsfähigkeit Abstriche zu machen.

Daher wird ein bestimmtes Marktsegment von Lösungen im Bereich hyperkonvergenter Infrastruktur beherrscht, und bei entsprechenden Anbietern gibt es einen starken Wachstumstrend. Was Sie nicht sehr oft sehen, sind mittlere oder große Rechenzentren, die ihre vorhandene Infrastruktur austauschen und durch hyperkonvergente Systeme ersetzen. In diesem Fall und zum jetzigen Zeitpunkt ist die Einfachheit also aus meiner Sicht in einem Marktsegment ein starker Wachstumstreiber, aber die Leistungsfähigkeit wird in der näheren Zukunft der dominierende Faktor auf dem Markt bleiben. Ergebnis: Ein klassisches Unentschieden.

Der Cloud-basierte Ansatz

Das Cloud-Thema beherrscht nun schon seit geraumer Zeit den Markt: Amazon Web Services (AWS) wurde im Jahr 2006 ins Leben gerufen. Seitdem ist Jahr für Jahr das Verschwinden der lokalen Infrastruktur vorausgesagt worden. Es handelt sich hierbei nicht nur um reine Marketing-Aussagen, da Cloud-Implementierungen im Laufe der Zeit erheblich zugenommen haben, aber solche Aussagen müssen dennoch relativiert werden. In einer Präsentation von Michael Cote, in der Daten von Gartner und Goldman Sachs verwendet wurden, wird darauf hingewiesen, dass für die Cloud-IaaS und -PaaS-Märkte in den nächsten fünf Jahren eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 30 Prozent erwartet wird. Im Vergleich dazu ist bei traditionellen IT-Ausgaben nur eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von drei Prozent zu verzeichnen. Andere Analysten gehen sogar von noch höheren Wachstumsprognosen für Cloud-Märkte aus. Aber in absoluten Zahlen gesprochen werden die Cloud-IaaS- und PaaS-Märkte im Jahr 2015 voraussichtlich 21 Milliarden Dollar betragen gegenüber den 312 Milliarden Dollar des traditionellen IT-Marktes.

Zwar ist eindeutig eine Verlagerung von Neuinvestitionen in die unternehmenseigene IT (On-Premise) hin zu Cloud-Diensten zu verzeichnen, aber es ist noch ein langer Weg, bis dadurch traditionelle IT-Systeme großflächig ersetzt werden. Dies ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen. Obwohl die Cloud für kurzfristige Kapazitäten möglicherweise viel günstiger ist, kann sie als permanenter Ersatz für gut optimierte lokale Kapazitäten auch teurer sein. In einer öffentlichen Cloud gibt es auch einen Kontrollverlust sowohl über garantierte Leistung als auch über die Sicherheit. Beispielsweise stellen Cloud-Anbieter in der Regel nur begrenzte Leistungsdaten zur Verfügung und sind nur an die Dienstleistungsvereinbarungen gebunden. Diese Verträge und Dienstleistungsvereinbarungen beinhalten normalerweise auch eine sehr begrenzte finanzielle Haftung des Cloud-Anbieters für den Fall, dass etwas fehlschlägt. Wenn sich also erhebliche finanzielle Auswirkungen aus Leistungsproblemen der Anwendung ergeben, werden diese vom Cloud-Nutzer, und meist nicht vom Anbieter getragen.

Dennoch können die unkomplizierte Auslagerung der IT zu einem Cloud-Service Provider und die bedarfsgerechte Nutzung der Dienstleistungen viele Anforderungen erfüllen. Insgesamt deuten die unterschiedlichen Wachstumsraten darauf hin, dass die Einfachheit der Cloud-Angebote für viele Unternehmen sehr attraktiv ist – was auch an dem zweistelligen quartalsweisen Umsatzwachstum von AWS deutlich wird. Ergebnis: Hier gewinnt die Cloud – und damit die Einfachheit.

Anders beim Aspekt: IT-Überwachung und -Management

Der Verwaltungsaufwand kann beachtlich sein, einschließlich der verschiedenen Plattformen (etwa Windows, Linux, Unix, Mainframe), technischen Disziplinen (zum Beispiel Anwendung, Netzwerk, Datenbank, Speicher, Virtualisierung, Helpdesk, Desktop, Sicherheit) und Anbieter (beispielsweise Dell- und HP-Server, NetApp- und EMC-Arrays, VMware- und Hyper-V-, On-Premise- und Off-Premise-Cloud-Dienste). Aufgrund dieser Vielfalt kann sich die Verwaltung als äußerst komplex gestalten. In der Tat haben viele der frühen Angebote versucht, eine große Anzahl dieser Szenerien durch ein einziges Produkt (oder Framework) abzudecken. Als Folge dieser umfassenden Leistungsfähigkeit hat sich die Komplexität oft extrem erhöht. Die Implementierung dieser „Komplettlösungen“ durch einige der weltweit teuersten Berater dauerte oft Monate (oder Jahre) und scheiterte trotzdem bisweilen.

Dies ermöglichte eine neue Generation von Lösungen durch Unternehmen wie ServiceNow, SolarWinds und Splunk, die sich sehr auf die Vereinfachung komplexer Probleme konzentrieren. Ein Teil dieser Vereinfachung erfordert die Begrenzung der technischen Möglichkeiten in einigen Bereichen. Wenn Sie beispielsweise eine detaillierte Überwachung von Mainframe, OS/400, Windows und Solaris in ein und demselben Produkt wünschen, müssen Sie sich wahrscheinlich für eine komplexere Lösung von IBM oder CA entscheiden. Wenn Sie allerdings durch die Überwachung von Windows-, Linux- und Unix-Systemen Ihr Ziel erreichen können, sollten SolarWinds oder andere vergleichbare Unternehmen Ihre Anforderungen vollkommen erfüllen können.

Zugegebenermaßen erkennen Anbieter von Legacy-Systemen bereits die Zeichen der Zeit und arbeiten daran, neue und benutzerfreundlichere Lösungen zu entwickeln oder zu kaufen. Es kann sich jedoch als schwierig erweisen, gegen die eigene profitable Installationsbasis anzukämpfen. SolarWinds, ServiceNow und Splunk konnten über mehrere Jahre ein zweistelliges Wachstum verzeichnen, während die Gruppe der Legacy-Anbieter einen schwachen oder rückläufigen Marktanteil hatte. Ergebnis: Einfachheit siegt durch Knockout.

Als Gesellschaft haben wir uns dahin entwickelt, mehr zu erwarten. Wir wollen alles auf einmal haben. Auf dem IT-Markt ist es ziemlich klar, dass starke, aber gezielte, funktionale Fähigkeiten, kombiniert mit marktführender Einfachheit, eine erfolgreiche Kombination sind. Es stellt sich die Frage: Was wird als Nächstes vereinfacht werden?

Kong Yang, Head Geek, SolarWinds

 

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